Die Abrechnungsdaten aus dem ersten Quartal 2009 unterstreichen die politische Zielsetzung der Gesundheitsreform: Insbesondere spezialisierte Versorgerpraxen sollen nach dem Willen des SPD-geführten Bundesgesundheitsministeriums von der Bildfläche verschwinden, da Ihnen der wirtschaftliche Boden entzogen wird. Darüber kann auch das - durch die Kassen und das BMG viel gelobte - Gesamt-Honorarplus von 3,5% nicht hinwegtäuschen.
Eine - im Moment nur für dieses 1. Quartal 2009 vereinbarte - Konvergenzregelung soll dazu führen, dass keine Praxis einen Verlust von mehr als 5% gegenüber dem 1. Quartal 2008 haben soll. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass bereits vorher eine Unterfinanzierung der ambulanten Patientenversorgung von ca. 30% bestand, da der Orientierungspunktwert statt auf die rechnerisch korrekten 5,11 cent auf 3,5 cent festgelegt wurde.
Die Abrechnungsdaten zeigen nun folgende Umsatzveränderungen gegenüber 01/2008 in den einzelnen Fachgruppen:
| Fachgruppe | Umsatzentwicklung gegenüber 01/2008 |
| Kardiologen | -12,50% |
| FÄ für Physikalische Medizin | -9,70% |
| Neurochirurgen | -9,20% |
| Anästhesisten | -8,00% |
| Orthopäden | -5,30% |
| Urologen | -3,70% |
| Radiologen | -2,60% |
| Fachärztlich tätige Internisten | -2,20% |
| Fachärztl. Internisten ohne Schwerpunkt | -2,10% |
| Nephrologen | -2,00% |
| Gastroenterologen | -0,90% |
| HNO-Ärzte | 0,50% |
| Psychiater | 0,90% |
| Kinder- und Jugendpsychiater | 1,80% |
| Frauenärzte | 1,90% |
| Allgemeinärzte | 2,10% |
| Augenärzte | 2,10% |
| Hautärzte | 3,00% |
| Hausärztlich tätige Internisten | 3,50% |
| Nuklearmediziner | 3,70% |
| Kinderärzte | 5,70% |
| Chirurgen | 6,70% |
| Nervenärzte | 7,10% |
| Neurologen | 9,10% |
Dies sind mittlere Umsatzentwicklungen (nicht Gewinn oder Verlust), Verluste können zum Teil - je nach Praxisstruktur - auch deutlich darüber liegen. Es ist klar ersichtlich, welche Arztgruppen gesundheitspolitisch in freier Niederlassung "ungewollt" sind und letztlich durch zum Teil börsennotierte Zentren (mit dementsprechend langen Anfahrtswegen und unpersönlicher medizinischer "Betreuung") ersetzt werden sollen.
Die Finanzierung der Konvergenzregelung soll nach ersten Meldungen zu 75% über "Rücklagen" der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns erfolgen (die es nach früheren Meldungen gar nicht gibt - es wird also schon wieder Geld ausgegeben, welches eigentlich nicht da ist...), zu 25% beteiligen sich alle bayerischen Krankenkassen an dieser Regelung. Die Krankenkassen hatten bereits angekündigt, sich an einer Konvergenzregelung für das 2. Quartal nicht nochmals beteiligen zu wollen.
Übersicht KVB Abrechnungsergebnisse mit und ohne Konvergenz Quartal 01/2009